Interview über das Seminar Sensual Youth

„...herausfinden, wie sie berühren und berührt werden möchten“

Interview über das Seminar Sensual Youth für junge Menschen

Am Pfingstwochenende vom 3. bis 4. Juni 2017 ist die Premiere eines neuen Seminares bei Sinnesart: Sensual Youth. Wir haben uns mit den Seminarleiterinnen Christin und Charly getroffen, um zu erfahren, was  dahinter steckt.

Hallo ihr zwei! Erzählt mal: Worum soll es bei „Sensual Youth“ gehen?

Christin: Die Teilnehmer sollen herausfinden, wie sie ihre Sexualität gestalten möchten. Wo möchte ich berührt werden? Was könnte mir gefallen oder welche Wünsche habe ich und wie kann ich diese äußern? Wie kann ich Schamgefühl abbauen? Wie kann ich auf meinen Gegenüber eingehen, wie darf ich berühren, wie kann ich Grenzen einschätzen?

Charly: Ja, überhaupt die gesamte Rollenverteilung. Dass der Empfangende eben auch empfangen und genießen darf und sich nicht ständig fragen muss „Oh Gott, darf ich das jetzt so? Muss ich etwas zurückgeben?“ Ebenso wollen wir den aktiven Part stärken, der häufig zweifelt „Mache ich das jetzt richtig?“. Diese Gedanken sollen langsam abgebaut werden.

Christin: Achtsamkeit als innere Haltung ist ein wichtiger Punkt. Wir wollen darauf eingehen, dass es nicht darum geht, unbedingt während des Aktes oder einer Massage zum Orgasmus zu kommen. Wir wollen vermitteln, dass es um den Moment geht und ihn mit dem ganzen Körper zu genießen.

Für wen ist das Seminar gedacht?

Christin: Für junge Menschen zwischen 18 und 29 Jahren, die sich für Sexualität interessieren und bei dem Thema in die Tiefe gehen möchten. Wir freuen uns auf Männer wie Frauen. Paare sind genauso willkommen, auch wenn es in dem Seminar um Selbsterfahrung und nicht um konkrete Paarthemen gehen wird.

Wieso bietet ihr ein Seminar speziell für junge Menschen an?

Charly: Junge Leute leben eher noch das spielerische Ausprobieren, während ältere Menschen meist zu etwas zurückfinden möchten. Junge Leute entdecken das ja grade erst. Das Seminar soll einen Raum schaffen für die Themen junger Menschen. In diesem Rahmen fällt es ihnen vielleicht auch leichter, sich zu öffnen.

Christin: Wir haben durch unsere Erfahrung bei Sinnesart ein größeres Repertoire an Wissen, aber können ziemlich gut auf die Teilnehmer eingehen, weil wir im selben Alter sind. Wir wünschen uns, dass sich die Teilnehmer im Nachhinein nicht mehr so allein fühlen mit dem, was in ihnen ist.

Charly: Was die Sprache betrifft, möchten wir nicht so spirituell von Auren und Chakren reden. Es soll locker, sonnig und konkret sein. Nicht schwammig drumrum, aber auch nicht zu ernst.

Gibt es Voraussetzungen, um teilzunehmen?

Christin: Eine gewisse Offenheit für Berührung sollte da sein. Spaß an Gruppenarbeit und auch die Fähigkeit, Vertrauen zu neuen Personen aufbauen zu können, die man noch nicht kennt. Zu Berührungen wird es definitiv kommen.

Charly: Ja, aber man entscheidet selber, wie weit man geht, und das Seminar ist auch nicht auf Nacktheit ausgelegt. Manche Grenzen werden ja vielleicht auch erst im Seminar selber erkannt. Das wird ein sehr wichtiges Thema sein - mit viel Raum für Gespräche. Uns ist wichtig, dass die Teilnehmer Probleme oder Grenzen jederzeit äußern. Da die Gruppe nicht größer als 20 Personen sein wird und wir zwei Seminarleiterinnen plus Assistentin sind, können wir auf individuelle Bedürfnisse gut eingehen.

Offen für Berührung... Aber was ist denn, wenn ich mit meinem Gegenüber gar nicht kann?

Charly: Für diesen ganz drastischen Fall würde einer von uns einspringen oder es wird noch einmal untereinander getauscht. Bei Massageübungen dürfen Paare übrigens auch bei sich bleiben, wenn sie wollen. Es wird keinen Zwang oder Druck geben, zu wechseln.

Christin: Junge Menschen sollen sich ruhig trauen, zu kommen. Ängste sind okay und ganz normal. Wir werden Fragen und Unsicherheiten einen besonderen Raum geben und darüber reden.

Wie wird das Seminar ablaufen? Was wird passieren?

Christin: Als erstes gibt es eine Begrüßungsrunde, in der sich alle vorstellen. Die Teilnehmer sollen in Ruhe ankommen können, lernen sich durch verschiedene Bewegungen kennen und werden offen für das Wochenende. Am ersten Tag geht es viel um den gegenseitigen Gedankenaustausch und das Experimentieren. Am zweiten Tag folgen die Grundlagen der Massage.

Charly: Ja, es soll viel Raum für Gespräche geben. Ich könnte mir vorstellen, dass mehr Gesprächsbedarf als bei Menschen über 30 da sein wird. Praxisübungen und Gespräche halten sich deshalb etwa die Waage.

Christin: Wir möchten keinen festen Massageablauf vermitteln, sondern spielerischen Input geben. Es wird zwar zu einem Massageaustausch am Sonntag kommen, dieser soll aber möglichst frei und intuitiv umgesetzt werden. Wir vermitteln ein paar Grundlagen, aber das Wie bleibt den Teilnehmern überlassen. Sie sollen herausfinden, wie sie berühren und berührt werden möchten.

Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg mit den jungen Wilden!

Das Interview führte Linda Wawrzinek von Sinnesart